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Historie

Ein staatliches Förderprogramm wird zum Erfolg

Mit Einführung des Förderprogramms weltwärts schafft die Bundesregierung 2008 Rahmenbedingungen für das entwicklungspolitische Engagement junger Menschen. Das Programm löst sofort eine rege Nachfrage aus. Rund 3.500 Freiwillige leisten jedes Jahr mit öffentlicher Förderung einen Einsatz. Zentrale Akteure sind die rund 180 zivilgesellschaftlichen Organisationen, die die Freiwilligen entsenden und begleiten.

2002 Jahr forderte der Deutsche Bundestag die Bundesregierung auf, einen Entwurf für ein entwicklungspolitisches Jugendprogramm zum „solidarischen Lernen“ vorzulegen. Ausgangspunkt war die Feststellung, dass sich in Deutschland bereits tausende junger Menschen in der Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern ohne ausreichende Rahmenbedingungen engagieren. Es sollte eine konzeptionelle und finanzielle Förderung geschaffen werden. Daraufhin entstand 2005 das entwicklungspolitische Schulaustauschprogramm ENSA, das sich ausschließlich an Schulgruppen richtet. Gleichzeitig verstärkte sich der Trend zu einer Auszeit (gap year) zwischen Schule und Ausbildung beziehungsweise Studium. Im Jahr 2006 bestätigte eine Evaluierung den Handlungsbedarf. Im Jahr darauf beschloss das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Einführung des entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes weltwärts. In den Richtlinien zur Umsetzung schrieb das BMZ: „Aus gesellschaftspolitischer Sicht ist es zu begrüßen, dass sich junge Menschen in Entwicklungsländern engagieren und internationale Erfahrungen und Qualifikationen sammeln, die für ihre berufliche Orientierung und Zukunftsfähigkeit hilfreich sind“. Außerdem sollte das Programm Impulse für die entwicklungspolitische Inlandsarbeit setzen.

Staatliche Förderung schafft Chancen für Alle

Das Angebot richtete sich an Hilfs- und Entsendeorganisationen, die bereits ungeregelte Freiwilligendienste im Ausland umsetzten und teilweise über langjährige Kooperationen mit ihren Partnerorganisationen verfügten. Mit weltwärts wurde eine einheitliche konzeptionelle Grundlage für diese Dienste geschaffen. Außerdem wurde durch die öffentliche Förderung auch einkommensschwachen jungen Menschen die Möglichkeit zu einem internationalen Engagement eröffnet. Denn die bis dahin angebotenen ungeregelten Freiwilligendienste waren häufig mit hohen Kosten für die Freiwilligen verbunden.

weltwärts stößt auf reges Interesse

Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul startet weltwärts

Am 17. Januar 2008 wurden von der damaligen Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul die ersten 50 weltwärts-Freiwilligen in Berlin verabschiedet. Am Ende des Jahres waren bereits über 2.000 Freiwillige ausgereist, die Zahl sollte bis zum Jahr 2010 auf 10.000 Freiwillige pro Jahr anwachsen. In der Praxis pendelte sich die Zahl jedoch zwischen 3000 und 4000 Freiwilligen pro Jahr ein.

Heute beteiligen sich rund 180 Organisationen mit fast 7.000 Einsatzplätzen am entwicklungspolitischen Freiwilligendienst.

Strukturen werden aufgebaut

Zur Verwaltung des Förderprogramms richtete das BMZ ein Sekretariat beim damaligen Deutschen Entwicklungsdienst (DED) in Bonn ein. Gemeinnützige Organisationen mit Sitz in Deutschland konnten hier ihre Anerkennung als weltwärts-Träger beantragen. Auch alle Projekte, die Freiwillige aufnehmen wollten, mussten als Einsatzplatz anerkannt werden. Mit der Strukturreform der deutschen Entwicklungszusammen-
arbeit wurde das Sekretariat am 1. Januar 2012 als Koordinierungsstelle weltwärts in die neugegründete Engagement Global gGmbH – Service für Entwicklungsinitiativen ausgegliedert.

Seitens der Entsendeorganisationen gründeten sich 2009 der Katholische Verbund entwicklungspolitischer Freiwilligendienste, das Evangelisches Forum entwicklungspolitischer Freiwilligendienst (eFeF) und der Verbund weltoffen, um die Vernetzung der angeschlossenen Entsendeorganisationen zu fördern und deren Interessen gemeinsam zu vertreten.

Evaluierung des Programms

Zur Weiterentwicklung sah das BMZ nach einer dreijährigen Einführungsphase eine umfangreiche externe Evaluierung des Programms vor, die Erfolge und Schwachstellen aufzeigen sollte. Der Ende 2011 vorgelegte Bericht kommt zu dem Schluss, dass weltwärts sein Ziel erreicht, junge Menschen für einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst zu gewinnen und das Nord-Süd-Verständnis zu fördern. Die Freiwilligen sind für die meisten Partnerorganisationen eine wichtige Unterstützung in der täglichen Arbeit.

Umsetzung der Evaluierungsergebnisse

In einem nächsten Schritt wurde das weltwärts-Programm gemäß den Handlungsempfehlungen weiterentwickelt. Im Rahmen eines sogenannten Follow-Up-Prozesses erarbeiteten ein halbes Jahr lang mehr als 90 Personen in sieben Arbeitsgruppen Vorschläge, die vom BMZ abgenommen wurden. Ende 2012 wurden diese Ergebnisse auf neun großen Konferenzen mit den Partnern auf den verschiedenen Kontinenten diskutiert. Die Tagungen waren der Startschuss für die Umsetzung der erarbeiteten Maßnahmen.

Dokumentation: Partnerkonferenzen 2012

weltwärts wird Gemeinschaftswerk

Den zivilgesellschaftlichen Akteuren des Programms kommt nun eine stärkere Rolle in der Steuerung des Programms zu. Es werden Gremien eingerichtet, in denen das BMZ und die Koordinierungsstelle weltwärts gemeinsam mit den Entsendeorganisationen und Rückkehrinitiativen das Programm weiterentwickeln. Im Rahmen eines neuen Qualitätssystems wird die Überprüfung der Einsatzstellen 2013 eingestellt. weltwärts wird nun auch nach außen als ein Gemeinschaftswerk des BMZ und der Zivilgesellschaft präsentiert, um damit die umfangreiche Verantwortung der Entsendeorganisationen im Programm deutlich zu machen.

Süd-Nord-Komponente wird eingeführt

In Folge der Evaluierung wurde auch die Süd-Nord-Komponente von einer Arbeitsgruppe entwickelt und mit dem Programmsteuerungsausschuss abgestimmt. Mit der Einführung dieser neuen Komponente soll der Anspruch eines entwicklungspolitischen Lern- und Austauschdienstes konsequent erfüllt werden. Ab November 2013 können junge Menschen aus den Partnerländern in Deutschland einen Freiwilligendienst leisten. Die Komponente soll integraler Bestandteil des weltwärts-Programms werden und die Nord-Süd-Komponente ergänzen.

Dokumentation: Von der Evaluierung zum Gemeinschaftswerk